Wieder so ein Tag.
Ich sitze am Schreibtisch und weiss eigentlich genau, welche Aufgaben vor mir liegen. Ein Angebot wartet darauf, geschrieben zu werden. Eine Aufgabe möchte endlich abgeschlossen werden. Doch es ist irgendwie zäh. Es ist, als wäre einfach keine Energie dafür da.
Solche Momente kenne ich aus meiner langjährigen Selbständigkeit als Webdesignerin. Viele der Erfahrungen aus dieser Zeit begleiten mich bis heute – auch in meiner Arbeit als Coach.
Viele Jahre lang habe ich in solchen Momenten vor allem versucht, mich stärker zu disziplinieren. Schliesslich musste die Arbeit erledigt werden. Also blieb ich sitzen, machte weiter und hoffte, irgendwann würde der Knoten schon platzen.
Mit den Jahren hat sich mein Blick darauf verändert. Heute interessiert mich zuerst eine andere Frage:
Was versucht mir meine Energie gerade zu sagen?
Der Motivation auf den Grund gehen
Ich habe oft erlebt, dass hinter mangelnder Motivation etwas ganz anderes steckt als fehlender Wille.
Manchmal wirkte eine schwierige Kundensituation noch nach, obwohl sie längst vorbei war. Ein anderes Mal beschäftigte mich ein privater Konflikt mehr, als mir zunächst bewusst war. Gelegentlich fehlte einfach Wertschätzung. Oder ein anderer Lebensbereich hatte so viel Kraft gebraucht, dass für konzentriertes Arbeiten kaum noch Energie übrig war.
Solche Zusammenhänge sind von aussen kaum sichtbar. Von innen lassen sie sich häufig spüren, wenn wir bereit sind, ihnen etwas Aufmerksamkeit zu schenken.
Heute ist fehlende Motivation für mich ein Hinweis geworden, genauer hinzuschauen. Bevor ich mich selbst bewerte, interessiert mich zuerst, was eigentlich dahintersteckt.
In sich hineinspüren
Wenn ich in solchen Momenten wirklich tief in mich hineinspüre, wird meist schnell klar, was ich eigentlich gerade brauche. Häufig ist es ein Spaziergang. Ein anderes Mal zieht es mich an den Fluss zum Baden oder ich möchte einfach eine halbe Stunde Musik machen.
Gleichzeitig meldet sich fast automatisch der Gedanke, dass diese Arbeit jetzt erledigt werden muss und keine Zeit für solche Dinge bleibt.
Früher habe ich diesem Gedanken fast immer nachgegeben. Die Arbeit ging dann nur langsam voran, ich machte mir immer mehr Druck und hatte am Ende das Gefühl, viel Zeit verloren zu haben.
Wenn ich heute mein echtes Bedürfnis nach einer kurzen Auszeit deutlich wahrnehme, versuche ich, dem nach Möglichkeit nachzugehen. Ich gehe spazieren, verbringe etwas Zeit in der Natur oder tue etwas, das mich wieder mit mir selbst verbindet. Kehre ich anschliessend an den Schreibtisch zurück, fliesst die Arbeit oft erstaunlich leicht weiter. Aufgaben, die vorher festzustecken schienen, lassen sich plötzlich konzentriert und mit deutlich mehr Freude erledigen. Häufig bin ich dadurch sogar früher fertig, als wenn ich mich die ganze Zeit zum Arbeiten gezwungen hätte.
Natürlich gibt es auch den inneren Schweinehund. Es gibt Tage, an denen ich mich überwinden muss, obwohl draussen die Sonne scheint oder tausend andere Dinge verlockender wirken. Je besser ich mich selbst kennengelernt habe, desto klarer wurde auch mein Gespür dafür, ob gerade Erholung gefragt ist oder ob ich einer unangenehmen Aufgabe ausweiche.
Den eigenen Rhythmus entdecken
Ähnlich war es mit Zeitmanagement und Selbstorganisation.
Ich habe vieles ausprobiert, was andere empfohlen haben. Manche Konzepte haben gut zu mir gepasst, andere überhaupt nicht. Lange dachte ich, ich hätte einfach noch nicht genügend Disziplin oder das richtige System noch nicht gefunden.
Irgendwann wurde mir bewusst, dass Menschen sehr unterschiedlich arbeiten. Manche beginnen früh am Morgen voller Energie. Andere erreichen ihre produktivste Phase erst später am Tag. Wieder andere brauchen klare Strukturen, andere mehr Flexibilität.
Diese Erkenntnis hat viel Druck herausgenommen. Ich musste mich nicht länger in ein bestimmtes Konzept pressen, sondern durfte herausfinden, welche Arbeitsweise zu mir passt. Und ich durfte sie immer wieder verändern, wenn mein Leben oder meine Aufgaben sich verändert haben.
Ich wünsche mir, dass wir diese Offenheit auch in Unternehmen stärker zulassen. Flexible Arbeitszeiten sind heute vielerorts selbstverständlich geworden. Vielleicht dürfen wir künftig noch mutiger werden und auch Ideen aufgreifen, die hierzulande ungewohnt erscheinen. In Japan gehört ein kurzer Mittagsschlaf in manchen Unternehmen ganz selbstverständlich zum Arbeitsalltag. Solche Beispiele erinnern daran, dass gute Arbeit viele Gesichter haben kann.
Sich Erholung erlauben
Eine Erkenntnis hat mich besonders beschäftigt:
In unserer Gesellschaft wird eigentlich nur der Erwerbsarbeit Wert beigemessen. Wir denken stark in Kategorien wie bezahlt und unbezahlt, produktiv oder unproduktiv. Alles andere – und dazu gehören auch Pausen, Hobbys oder das bewusste Auftanken der eigenen Ressourcen – wirkt schnell wie Zeitverlust oder etwas, das man sich erst verdienen muss.
Dabei habe ich oft erlebt, wie sehr gerade kleine Auszeiten meine Energie verändern können, weil sie mir ermöglichen, anschliessend wieder mit Freude und Konzentration zu arbeiten.
Manchmal braucht es längere innere Prozesse, bis man sich zugestehen kann:
Ich darf das.
Ich darf mich ausruhen.
Ich darf meine Ressourcen auftanken.
Ich darf gut für mich sorgen.
Auszeiten und Leistungszeiten gehören für mich heute zusammen. Beides trägt dazu bei, gute Arbeit leisten zu können.
Ein anderer Umgang mit Energie
Wenn ich heute auf fast zwanzig Jahre Selbständigkeit zurückblicke, wird mir bewusst, wie sehr sich mein Umgang mit Energie verändert hat.
Körper, Intuition und seelische Bedürfnisse gehören für mich heute selbstverständlich zu meinem Arbeitsleben. Sie helfen mir, früh wahrzunehmen, was ich brauche, um konzentriert, kreativ und mit Freude arbeiten zu können.
Überforderung, ungelöste Konflikte oder fehlende Wertschätzung nehme ich heute viel früher wahr als noch vor einigen Jahren. Dadurch kann ich bewusster reagieren und besser für meine eigenen Ressourcen sorgen.
Indem ich mich selbst immer besser kennengelernt habe, kann ich heute viel bewusster mit meiner Energie umgehen.
Was sich im Coaching häufig verändert
Viele Menschen erleben im Coaching, dass sie die eigenen Energiequellen und Belastungen bewusster wahrnehmen. Sie erkennen besser, wann Einsatz gefragt ist und wann eine Pause mehr bewirken kann. Eigene Bedürfnisse werden klarer, innere Antreiber leichter erkennbar und Entscheidungen orientieren sich zunehmend an den eigenen Ressourcen. Dadurch entsteht häufig ein nachhaltigerer Umgang mit der eigenen Kraft – beruflich wie privat.
Vielleicht beschäftigt auch Sie die Frage, warum Sie sich trotz grossem Einsatz immer wieder erschöpft fühlen oder weshalb Erholung manchmal so schwerfällt.
Im Coaching schaffen wir Raum, diese Zusammenhänge genauer zu betrachten und einen Umgang zu entwickeln, der besser zu Ihnen und Ihrem Leben passt.
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