Der Tod meiner Mutter – und was Ausnahme­zustände sichtbar machen

Als vor wenigen Monaten meine Mutter gestorben ist, hat mich das in einen Ausnahmezustand versetzt. Keinen dramatischen, keinen völlig überwältigenden – aber einen, der vieles ins Wanken bringt, was sich zuvor noch stabil angefühlt hat.

Noch nicht lange zuvor hatte ich mich im Kanton Bern neu angesiedelt. Neue Umgebung, neue Kontakte, neue Ausrichtung meiner Arbeit. Gleichzeitig bin ich Mutter, was bedeutet, dass sich ein solcher Schritt nie nur auf das eigene Leben beschränkt, sondern immer auch ein neues Umfeld, eine neue Schule und viele begleitende Prozesse mit sich bringt.

Ich war dabei, meine Arbeit hier neu zu verankern. Es kam langsam Bewegung hinein, die Dinge begannen sich zu fügen. Und dann kam diese Nachricht.

Meine Mutter ist gestorben.

Ruine bei Sonnenuntergang

Wenn plötzlich alles zusammenkommt

Was folgte, war zunächst ein organisatorischer Ausnahmezustand: reisen, klären, Entscheidungen treffen. Doch relativ schnell wurde spürbar, dass das nur die Oberfläche ist.

Darunter lag etwas anderes – etwas, das sich weniger greifen lässt und gleichzeitig viel tiefer wirkt.

Ein emotionaler, und vor allem ein systemischer Ausnahmezustand.

Denn wenn Familie in einer solchen Situation zusammenkommt, zeigt sich oft sehr klar, was sonst eher im Hintergrund bleibt: alte Muster, vertraute Rollen, unausgesprochene Dynamiken. Unterschiedliche Wahrnehmungen von dem, was war, und unterschiedliche Arten, mit dem umzugehen, was gerade ist.

Und plötzlich ist man mittendrin. Nicht als Beobachterin, sondern als Teil davon.


Ein Satz, der vieles auf den Punkt bringt

Vielleicht kennst du diesen Satz – er taucht oft in spirituellen Kontexten auf, ist aber erstaunlich alltagstauglich:

„Wenn du denkst, du bist erleuchtet, dann besuche mal deine Eltern.“

Denn kaum irgendwo werden unsere eigenen Prägungen so sichtbar wie dort, wo sie entstanden sind – besonders dann, wenn alle Beteiligten gleichzeitig in einer emotionalen Ausnahmesituation sind.


Zwischen Funktionieren und Wahrnehmen

Was sich in solchen Momenten ebenfalls sehr deutlich zeigt, ist ein weit verbreitetes Muster: der Impuls, einfach weiterzufunktionieren.

Gerade im beruflichen Kontext – und vielleicht besonders in der Selbständigkeit – entsteht schnell das Gefühl, dass man „trotzdem“ weitermachen muss.

Und genau hier wird es heikel.
Nicht unbedingt, weil man es tut – sondern weil es oft an dem vorbeigeht, was innerlich gerade da ist.

Ich selbst habe in dieser Zeit sehr deutlich gespürt, wie wichtig es ist, genau dort nicht drüber hinwegzugehen. Mir Zeit zu nehmen, innezuhalten, wahrzunehmen, was gerade in mir passiert – und dem Raum zu geben.

Trauer. Wut. Überforderung.
Aber auch all die leisen Bewegungen darunter.

Denn wenn wir beginnen, das zu übergehen, entsteht genau jene Spannung, die viele Menschen aus ihrem Alltag kennen: ein Auseinanderdriften von innerem Erleben und äusserem Handeln.


Was sichtbar wird

Und gleichzeitig liegt genau in solchen Situationen eine besondere Qualität.

Denn sie bringen oft etwas an die Oberfläche, das schon lange da war: Muster, innere Dynamiken, gewohnte Reaktionen. Dinge, die im Alltag vielleicht überdeckt bleiben, aber hier plötzlich sehr klar sichtbar werden.

Aus systemischer Sicht ist das kein Zufall. Wir bewegen uns immer in Zusammenhängen, sind geprägt von dem, was wir in unseren frühen Beziehungen gelernt haben.

Wenn sich diese Dynamiken im Hier und Jetzt zeigen, ist das nicht einfach nur anstrengend oder „schwierig“. Es kann auch ein Zugang sein.

Nicht im Sinne von: etwas schnell lösen zu müssen.
Sondern im Sinne von: wirklich hinzuschauen.


Was in solchen Momenten möglich wird

Wenn wir uns selbst in diesen Situationen nicht verlieren, sondern bei uns bleiben, entsteht etwas, das im Alltag oft zu kurz kommt: Klarheit.

Eine Klarheit darüber,
was uns bewegt,
was uns triggert,
und was wir vielleicht schon lange mit uns tragen.

Und daraus entsteht – ganz organisch – die Möglichkeit, anders damit umzugehen.


Und genau dort beginnt meine Arbeit

Ich begleite Menschen in solchen Phasen. In Momenten, in denen etwas ins Wanken gerät, sich neu sortieren will oder einfach gerade zu viel ist.

Nicht, um schnelle Lösungen zu liefern.
Sondern um gemeinsam hinzuschauen, Zusammenhänge sichtbar zu machen und einen Weg zu finden, der sich wirklich stimmig anfühlt.

Wenn du gerade in einer Situation bist, die dich innerlich beschäftigt oder herausfordert, kannst du dich gerne bei mir melden.

Ich begleite dich ein Stück auf deinem Weg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

zwanzig + siebzehn =

Nach oben scrollen